Aufbau der öffentlichen Infrastruktur
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NicaNotes ist ein Blog für Menschen, die zu Nicaragua arbeiten und/oder an Nicaragua interessiert sind, veröffentlicht vom NicaNotes (USA), einem Projekt der Allianz für globale Gerechtigkeit (AfGJ). Hier werden Nachrichten und Analysen aus dem Kontext der langen Geschichte des Nicaragua-Netzwerks in Solidarität mit der Sandinistischen Revolution veröffentlicht.

Deutsche Übersetzung Nicaragua-Forum HD e.V. - Das Nicaragua-Forum HD besteht aus Menschen mit unterschiedlichen Positionen zu den aktuellen Entwicklungen in Nicaragua. Deshalb geben die übersetzten Artikel natürlich auch nicht die Meinung aller Mitglieder wieder.

Ausgabe vom 20-08-2026

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Trotz der hybriden Kriegsführung und der Sanktionen der USA baut die sozialistische Regierung Nicaraguas in beeindruckendem Tempo Infrastruktur auf und stellt öffentliche Dienstleistungen bereit

NicaNotes
Von Ben Grosscup

[Ben Grosscup ist ein reisender Folksänger, der Lieder zur politischen Bildung in der antiimperialistischen Bewegung einsetzt. Dieser Artikel wurde erstmals am 8. Juli 2026 im Covert Action Magazine veröffentlicht. In Teil Eins erfuhren wir vom Besuch der (von der Casa Ben Linder organisierten) Delegation an der karibischen Küste Nicaraguas. In Teil Zwei besucht die Gruppe eine landwirtschaftliche Genossenschaft.]

TEIL 1


Während Grosscups Aufenthalt befand sich Bluefields mitten in einem gewaltigen Projekt zur Verlegung von Abwasserrohren unter den alten Straßen der Stadt. Im Laufe einer Woche beobachtete er die Arbeit der Männer, die den einen ganzen Häuserblock langen Straßenabschnitt neben seinem Hotel aufgruben.

Ich hatte gerade drei Wochen auf Reisen in Nicaragua verbracht, den größten Teil dieser Zeit mit einer Delegation, die von Casa Ben Linder organisiert wurde, einer in Managua ansässigen Organisation, die sich dem Aufbau der internationalen Solidaritätsbewegung mit Nicaragua verschrieben hat. Mitglieder der Black Alliance for Peace, die die kriegs- und imperialismusfeindlichen sowie friedensfördernden Positionen der radikalen schwarzen Bewegung vertreten, trugen ebenfalls entscheidend dazu bei, diese Reise zu ermöglichen.

Nicaragua ist kein wohlhabendes Land. Es wurde von dem hybriden Krieg der USA heimgesucht, zu dem unter anderem harte Wirtschaftssanktionen, militärische Interventionen und vieles mehr gehörten. Dennoch baut der nicaraguanische Staat seit der Rückkehr der Sandinistischen Front an die Macht im Jahr 2007 öffentliche Infrastruktur auf und stellt Dienstleistungen für arme Menschen bereit, die jahrhundertelang vernachlässigt worden waren. Dazu gehören neue Wasserversorgungssysteme, erschwinglicher öffentlicher Nahverkehr, kostenlose Hochschulbildung und die Elektrifizierung ländlicher Gebiete. Unterdessen zerfallen in den Vereinigten Staaten unsere eigenen öffentlichen Systeme oder werden an private Konzerne verkauft.

Die Teilnahme an dieser Delegation hat mir eine neue Perspektive auf die entscheidende Bedeutung des Staates bei der Bereitstellung der grundlegenden Dienstleistungen eröffnet, die die Menschen benötigen. Progressive Kräfte in den Vereinigten Staaten können viel lernen, wenn sie die Rolle, die der nicaraguanische Staat bei der Herbeiführung sozialen Wandels spielt, mit dem Handeln des US-Staates vergleichen.

Politischer Wandel in Nicaragua

Nicaragua hat erst spät mit dem Aufbau einer modernen Infrastruktur begonnen. Während wir von einem hohen Aussichtspunkt aus auf Managua blickten, erklärten uns unser Reiseführer, dass beispielsweise vor der sandinistischen Revolution, die 1979 die Somoza-Diktatur stürzte, die Abwässer der Stadt einfach in den Managua-See geleitet wurden, was eine große Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellte.

Die Revolution führte unmittelbar zu einer groß angelegten Alphabetisierungskampagne und einer kostenlosen, universellen Gesundheitsversorgung. In den ersten elf Jahren kamen bei dem von den USA unterstützten Contra-Krieg 42.000 Nicaraguaner ums Leben. Washingtons Todesschwadronen hatten Alphabetisierungslehrer, Mitarbeiter des Gesundheitswesens und Ben Linder selbst im Visier, dessen gleichnamige Organisation meine Reise arrangiert hatte. Linder war Zirkuskünstler und Ingenieur, der in den 1980er Jahren aus den USA nach Nicaragua zog, um seine vielfältigen Fähigkeiten in den Dienst der jungen Revolution des Landes zu stellen. Bei den Kindern auf dem Land war er wegen seiner Jongliernummer auf dem Einrad sehr beliebt, mit der er sie dazu ermutigen wollte, sich gegen Masern impfen zu lassen. Er arbeitete an einem kleinen Wasserkraftwerk in einer abgelegenen Gemeinde im Norden Nicaraguas, als die Contras – bewaffnet mit US-Waffen – ihn 1987 ermordeten. Der Contra-Krieg bremste Nicaraguas Fortschritt erheblich, brachte ihn jedoch nicht zum Stillstand.

Bei den Wahlen von 1990 besiegte jedoch die rechtsgerichtete neoliberale Elite Nicaraguas die Sandinistische Front, deren traditionelle Anhänger von den Jahren des brutalen Krieges erschöpft waren. Die neue Regierung, die die nächsten 16 Jahre lang regierte, hatte sich ideologisch der Unterstützung der US-Vorherrschaft in Lateinamerika verschrieben – und nicht dem Aufbau öffentlicher Infrastruktur für die Bedürfnisse der Bevölkerung. Sie privatisierte öffentliche Dienstleistungen und drehte den Fortschritt der Revolution von 1979 zurück.

Doch in den vergangenen 19 Jahren, seit 2007, als die Sandinistische Front wieder an die Macht kam, hat Nicaragua langsame, aber stetige Fortschritte bei der Schaffung von Infrastruktursystemen gemacht, die dem ganzen Land dienen. Einer der ersten Schritte war der Bau einer Kläranlage für Managua, wodurch sich der Zustand des Sees dramatisch verbessert hat.

Ich habe ein neues öffentliches Wasserversorgungssystem besichtigt, das in den letzten fünf Jahren fertiggestellt wurde und die Menschen, die auf einem Berg am Rande von Ciudad Sandino in der Nähe von Managua leben, mit fließendem Wasser versorgt. Zuvor mussten die Familien auf diesem Berg für einen Ochsenkarren bezahlen, der das Wasser den Berg hinaufzog. Mit dem neuen System zahlen sie nur noch einen Bruchteil dessen, was sie früher für Wasser bezahlt haben. Jetzt gelangt das Wasser dank der Schwerkraft mühelos in ihre Häuser. Die Versorgung ist zudem großzügiger geworden, was eine Familie dazu veranlasste, eine kleine Baumschule zu gründen. Die jungen Bäume tragen nun zur Wiederaufforstung der umliegenden Hänge bei.

In Managua gibt es neue Verbindungsstraßen aus Stahlbeton, die langlebiger sind als die Asphaltstraßen, wie man sie typischerweise in den USA findet. Ihr Bau ist kurzfristig allerdings auch teurer. Eine eigene Busspur mit überdachten Bushaltestellen ist ebenfalls vorgesehen. Der Staat subventioniert die Busfahrpreise so stark, dass eine Fahrt umgerechnet sieben US-Cent kostet – für die Arbeiterklasse in Managua durchaus erschwinglich. Die Regierung baut zudem Verkehrsverbindungen zwischen Regionen des Landes, die zuvor nie miteinander verbunden waren.

So war beispielsweise während der gesamten Somoza-Diktatur von 1934 bis 1979 die Karibikküste Nicaraguas wirtschaftlich und kulturell von Großstädten wie Managua an der Pazifikküste abgeschnitten. Ich erfuhr, dass die Menschen früher scherzten, die Karibikregion sei „ein anderes Land“ als Nicaragua, obwohl sie bereits 1894 offiziell in das Staatsgebiet eingegliedert worden war. In der Region leben sechs große ethnische Gruppen, darunter indigene und afro-stämmige Bevölkerungsgruppen. Ihnen fehlte die rechtliche Anerkennung durch den Staat bis 1987, als Nicaragua eine neue Verfassung verabschiedete, die die Nation als multiethnisch definierte. Die Vernachlässigung der notwendigen Infrastruktur an der Karibikküste durch die Somoza-Diktatur warf einen langen Schatten, aus dem die Region erst seit Kurzem herauszukommen beginnt. Unsere Delegation verbrachte zwei Wochen in der karibischen Stadt Bluefields.

Wir fuhren dorthin auf einer Straße, die die Regierung erst vor fünf Jahren fertiggestellt hatte. Zuvor erforderte die Reise zwischen den beiden Küsten entweder einen teuren Flug oder eine langsame Busfahrt, gefolgt von einer langen Flussfahrt. Die neue Straße ermöglicht die wirtschaftliche Integration von Bluefields und anderen Gemeinden an der Karibikküste in den Rest des Landes und eröffnet Bildungs- und Wirtschaftsmöglichkeiten, die es zuvor nicht gab.

Wir besuchten drei Universitäten in Bluefields, an denen junge Menschen völlig kostenlos studieren und berufliche Qualifikationen erwerben können. Dr. Ilenia García, die Rektorin der URACCAN-Universität (Universität der Autonomen Regionen der nicaraguanischen Karibikküste), erzählte uns, dass zu Beginn Mitte der 1990er Jahre die staatliche Unterstützung für die öffentliche Hochschulbildung kaum vorhanden war, da sich die rechtsgerichtete neoliberale Regierung weigerte, dem verfassungsrechtlichen Auftrag von 1987 nachzukommen, wonach 6 % des Staatshaushalts für die Hochschulbildung bereitgestellt werden sollten. Sie sagte, dass es für sie damals unvorstellbar gewesen wäre, dass ihre Einrichtung einmal so wachsen würde, dass sie heute 5.800 Studierende betreuen kann. Seit der Rückkehr der Sandinistischen Front an die Macht ist der Campus dank der tatkräftigen Unterstützung des Staates gewachsen. Neben der Ausbildung von Studierenden auf dem eigenen, lebendigen Campus entsendet die URACCAN auch Dozenten in abgelegenere Gemeinden an der Karibikküste und bietet dort Lehrveranstaltungen auf Hochschulniveau für Studierende an, denen der Umzug nach Bluefields für ein Studium auf dem Campus schwerfallen würde. Die Führungskräfte der Universität, mit denen wir uns trafen, erklärten uns, dass ihr Lehrplan in einen umfassenderen Entwicklungsplan für die Region und das Land eingebettet sei. Sie bereiten ihre Jugend auf ein anderes Nicaragua vor. Sie betrachten Armut als den Feind. Sie stimmen ihren Bildungslehrplan mit den wirtschaftlichen Planungsprozessen auf nationaler und regionaler Ebene ab.

Nicaraguas Erholung von einer langen Phase staatlicher Vernachlässigung hat sich auch im Bereich der Stromversorgung vollzogen. Vor 2007 verfügten nur 25 % der 20 Gemeinden an der Karibikküste über eine funktionierende Stromversorgung. Die Region weist insgesamt im Vergleich zur Pazifikküste eine geringe Bevölkerungsdichte auf. Dennoch liegt die Elektrifizierungsrate auf der Karibikseite heute bei fast 95 %, obwohl bestimmte kleine, abgelegene Gemeinden wie Orinoco, das wir besuchten, den Generator jede Nacht für einige Stunden abschalten. Orinoco wurde 1898 von John Sambola gegründet, einem Anführer der Garifuna-Gemeinschaft, einer ethnischen Gruppe afrikanischer Abstammung, die sowohl in Nicaragua als auch in anderen karibischen Ländern vertreten ist. Aufgrund der geografischen Lage ist der Ort nur per Boot erreichbar. Doch selbst dort hat die Regierung Solarmodule sowie einen kleinen Dieselgenerator bereitgestellt, um den Strombedarf der Gemeinde zu decken.

Zwar hat sich die Stromversorgung der Gemeinde seit der neoliberalen Ära bereits erheblich verbessert, doch unser ortskundiger Führer Humberto sagte, man wünsche sich bald eine 24-Stunden-Stromversorgung. Wir verbrachten eine heiße Nacht in Orinoco, und einige aus unserer Gruppe wurden geweckt, als die Ventilatoren, die auf unsere schwitzenden Körper gerichtet waren, mitten in der Nacht plötzlich stehen blieben.

Auf unserem Weg nach Orinoco musste unser Boot die Geschwindigkeit drosseln, als wir an der Baustelle einer Brücke vorbeikamen, die einen Fluss auf dem Weg zu einem neuen Tiefwasserhafen überqueren soll, den die nicaraguanische Regierung mit finanzieller Unterstützung Chinas bauen will. Derzeit verfügt die karibische Küste Nicaraguas über keinen Tiefwasserhafen, was die Möglichkeiten für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region einschränkt.

Während unseres Aufenthalts befand sich Bluefields selbst mitten in einem riesigen Projekt zur Verlegung von Abwasserrohren unter den alten Straßen der Stadt. Im Laufe einer Woche beobachtete ich die beharrliche Arbeit der Männer, die einen Häuserblock langen Straßenabschnitt neben unserem Hotel aufgruben.

Sie verlegten Abwasserrohre und füllten die Löcher anschließend mit Zement wieder auf. Bei zahlreichen Spaziergängen durch die Stadt fielen mir überall ausgebesserte Stellen im alten Beton auf – ein Beweis dafür, dass dieses groß angelegte, stadtweite Projekt bereits seit einiger Zeit im Gange war. Ich befragte einige Einwohner von Bluefields zu dem Projekt. Sie erzählten mir, dass ohne ein modernes Abwassersystem bisher üblich war, dass das Abwasser aus jedem Haushalt in eine hauseigene Klärgrube geleitet wurde, die – wenn sie mit vielen anderen nahegelegenen Anlagen dicht beieinanderlag – das Grundwasser verschmutzte. Dieses kostspielige Projekt wird die Grundwasserqualität in Zukunft erheblich verbessern.

TEIL ZWEI

Ein utopisches Experiment?

Die Verbesserung der Lebensbedingungen der nicaraguanischen Bevölkerung ist nicht nur eine Frage der Infrastruktur. Und solche Veränderungen allein werden auch nicht alle Probleme des Landes lösen. Nicaragua weist, wie alle Länder, interne Widersprüche und Spaltungen auf. In meiner Jugend ließ ich mich von utopischen Theorien inspirieren, die eine radikale Umgestaltung der sozialen Beziehungen weg vom Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer auf dem anonymen kapitalistischen Markt vorsahen. Bevor ich ankam, war meine Einschätzung des Fortschritts in Nicaragua eher zurückhaltend. Ich wusste, dass es in Nicaragua neben den sozialistischen Aspekten des Staates nach wie vor ein kapitalistisches Klassensystem gibt. Wie jede kapitalistische Klasse beutet auch die nicaraguanische die Arbeitskraft aus, um Profit zu erzielen. Grelle Werbespots und wogende Dieselabgase prägen die Hauptstraßen, genau wie in den USA. Die Regierung ist gewisse Kompromisse mit der lokalen kapitalistischen Elite eingegangen, die die Bewegung hin zu einer sozialistischeren Wirtschaft untergraben will.


Die 2008 gegründete Gloria Quintanilla-Kooperative ist eine komplett von Frauen geführte Kaffee-Kooperative

Als ich jedoch die Genossenschaft „Gloria Quintanilla“ besuchte – eine von Frauen geführte, Kaffee produzierende Gemeinschaft in Santa Julia, in den Bergen südlich von Managua –, sah ich, dass zumindest in einigen Teilen Nicaraguas ein sozialer Wandel stattfindet, der radikaler ist, als ich erwartet hatte. Die Gemeinschaft wurde 2008 mit Unterstützung der Vereinigung der Landarbeiter (Asociación de Trabajadores del Campo – ATC) gegründet, nur ein Jahr nachdem die Sandinistische Front wieder an die Macht gekommen war. Sie besteht aus 90 Familien, die am Ende einer fünf Kilometer langen unbefestigten Straße hoch in den Bergen leben. Die Gemeinschaft verfügt über eine eigene Führungsstruktur, die von der Gemeindeverwaltung unabhängig ist. Die Frauen haben eindeutig die Leitung der Genossenschaft inne, die einen Rechtsanspruch auf das große Stück Land hat.

Wir sprachen mit vier weiblichen Führungskräften der Gemeinschaft. Alle stammten aus armen Verhältnissen und hatten häusliche Gewalt überlebt. Obwohl Alkohol landesweit legal ist, verbietet die Genossenschaft seinen Konsum. Die Führungskräfte erklärten uns, dies sei unerlässlich, um Gewalt gegen Frauen zu beenden. Eine der Führungskräfte berichtete uns, dass sie 90 % der häuslichen Gewalt innerhalb der Gemeinschaft beseitigt hätten und nun an den letzten 10 % arbeiteten.

Wir erfuhren, dass in der Gemeinschaft eine Schenkwirtschaft herrscht. Verschiedene Mitglieder bauen nach agroökologischen Prinzipien entweder Avocados, Ananas, Eier oder Hühner auf. Wenn sie sich gegenseitig besuchen, ist es Brauch, einen Teil dessen, was jede Familie produziert, als Geschenk mitzubringen.

Die Bräuche und die Führung innerhalb der Genossenschaft sind für das Wohlergehen ihrer Mitglieder unerlässlich, doch ohne die Unterstützung des Staates könnte diese Genossenschaft nicht so florieren, wie sie es tut. Vom Staat angestellte Gesundheitsfachkräfte kommen regelmäßig in die Gemeinschaft, um die Mitglieder bei ihren gesundheitlichen Problemen zu unterstützen. Eine der Frauen, Claudia, erzählte uns, dass sie die Koordinatorin für chronische Erkrankungen ist. Sie führt eine umfassende Liste darüber, wer an welcher Erkrankung leidet. Wenn die Gesundheitsfachkräfte vorbeikommen, ist sie bei den Besuchen dabei, hilft bei der Kommunikation und unterstützt die Gemeindemitglieder bei ihren gesundheitlichen Problemen.

Die Genossenschaft ist auf die Einnahmen aus ihrem Kaffeeverkauf angewiesen, und die Regierung unterstützt sie bei der Vermarktung des Kaffees. Die Regierung trägt zur Deckung des Grundbedarfs an Infrastruktur bei, indem sie den Brunnen und die unbefestigte Straße verbessert, die die Gemeinde mit dem Rest der Region verbindet.

Mir sind mehrere Öko-Wohngemeinschaften in den USA bekannt, die Alternativen zum herkömmlichen Wohneigentum praktizieren. Das Leben dort ist in der Regel teuer – insbesondere angesichts des ungünstigen Wohnungsmarktes in den USA – und daher nur für die obere Mittelschicht zugänglich. Wie diese Experimente zielt auch die Gloria-Quintanilla-Genossenschaft darauf ab, eine gesündere Kultur zu entwickeln als die, die sie umgibt; im Gegensatz zu diesen wurde sie jedoch von und für arme Menschen mit starker staatlicher Unterstützung aufgebaut.

In den USA üben Ideen wie Anarchismus und Libertarismus eine große Anziehungskraft auf Menschen aus, die einen alternativen Lebensstil führen wollen. „Der Staat tut sowieso nie etwas für uns, also lasst es uns einfach selbst in die Hand nehmen“, ist eine Einstellung, der ich schon oft begegnet bin. Doch Doña Eloisa, die Vorsitzende der Gloria-Quintanilla-Genossenschaft, sagte uns: „Wir sind hier alle Sandinisten“, womit sie andeutete, dass sie die Rolle der derzeitigen Regierung als wesentlich für das Wohlergehen ihrer Gemeinschaft ansieht.

Sie erzählte uns, dass ihre Gemeinschaft 2018 fest auf der Seite der sandinistischen Regierung stand, als die rechte Opposition überall in Managua Hunderte von Straßensperren errichtete, um politische Instabilität zu verursachen. Monatelang versuchten maskierte Männer, die mit finanzieller Unterstützung der National Endowment for Democracy (NED) – einem Instrument der CIA – operierten, die sandinistische Regierung zu stürzen. Für sie steht bei der Frage, ob die derzeitige Regierung weitermachen darf oder ob sie bei einem weiteren Putschversuch gestürzt wird, das bloße Überleben der Gemeinschaft auf dem Spiel, der sie ihr Leben gewidmet hat.

Ein Blick von zu Hause aus

Nicaraguas Geschichte des Kolonialismus und der ausländischen Intervention durch die USA hat das Land gegenüber den USA benachteiligt, was die Bereitstellung der Infrastruktur betrifft, die für ein wohlhabendes und würdiges Leben seiner Bevölkerung erforderlich ist. Mitte des 20. Jahrhunderts, als Flint und Detroit blühende Städte mit einer stark gewerkschaftlich organisierten Arbeiterklasse waren, die komplexe industrielle Arbeit verrichtete, stand Nicaragua noch unter der Somoza-Diktatur. Damals baute Nicaragua Infrastruktur für den eng gefassten Zweck, seine Rolle in der Weltwirtschaft als Exporteur von Rohstoffen und Lebensmitteln in Industriezentren in den USA und Europa zu erfüllen. Die Diktatur hatte keinen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften aus einem großen Teil ihrer Bevölkerung. Deshalb stellte sie nie die Infrastruktur und die öffentlichen Dienstleistungen bereit, die erforderlich waren, um eine große und prosperierende Mittelschicht zu erhalten.

Ein Blick auf Nicaragua im Jahr 2026 zeigte jedoch zahlreiche Fortschritte hin zu einer Wirtschaft, von der die Mehrheit der Bevölkerung profitiert. Er verdeutlichte auch, inwiefern die Vereinigten Staaten im Vergleich dazu ins Hintertreffen geraten sind. Überall um mich herum sehe ich, wie die herrschende Klasse der USA – vertreten durch beide großen politischen Parteien – eine organisierte Vernachlässigung der Straßen, Schulen, Krankenhäuser, Wasserversorgung und anderer grundlegender Dienstleistungen unseres Landes betreibt.

Der Aufbau der Wasser-, Strom- und Verkehrsinfrastruktur der Vereinigten Staaten hat Hunderte von Jahren gedauert. Zur großen Schande der Nation stützte sich dieser Prozess in hohem Maße auf Reichtümer, die dem Globalen Süden – darunter auch Nicaragua selbst – durch Sklaverei, Kolonialisierung und Ausbeutung geraubt wurden.

Doch heute wird der öffentliche Reichtum der USA verschleudert. Grundlegende Infrastruktur und Dienstleistungen verfallen und werden funktionsunfähig oder werden privatisiert und verteuert. Auf öffentlichen Straßen in vielen Teilen des Landes – insbesondere in mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Gemeinden wie Detroit – bilden sich riesige Schlaglöcher, während Autofahrer, denen es an guten öffentlichen Verkehrsmitteln mangelt, individuell mit den Kosten für Fahrzeugreparaturen belastet werden. Alte Wasserleitungen in Gemeinden wie Flint (Michigan) und Baltimore (Maryland) korrodieren und geben Blei ins Wasser ab. Dies führt zu gesundheitlichen Problemen, die unser Gesundheitssystem nicht angeht.

Die Menschen sind gezwungen, private Lösungen zu suchen, wie zum Beispiel den Kauf von sauberem Wasser, das unter großem finanziellen Aufwand von anderswo herangekarrt wird. Wenn sie krank werden und ihre Behandlung nicht von der Versicherung übernommen wird, sind sie auf GoFundMe-Crowdfunding-Kampagnen angewiesen, um die medizinischen Kosten zu decken.

Studierende schließen ihr Studium an US-Hochschulen und -Universitäten häufig mit finanziell erdrückenden Schulden und düsteren Aussichten auf eine Anstellung in ihrem gewählten Fachgebiet ab. In den USA tragen die Einzelnen die Last der Bildungsfinanzierung – eine Struktur, die ihnen Anreize bietet, sich als individuelle Verbraucher und nicht als Staatsdiener zu sehen. Vielen Menschen ist bewusst, dass in den USA etwas grundlegend nicht stimmt. Ein TSA-Beamter, den ich am Miami International Airport getroffen habe, gehört sicherlich dazu.

Politischer Wille und die Notwendigkeit des Wandels

Um Nicaraguas lange Geschichte der sozialen und infrastrukturellen Vernachlässigung seit der Somoza-Diktatur und der neoliberalen Ära umzukehren, war ein politisches Bekenntnis erforderlich, in die Menschen zu investieren – konkret umgesetzt durch eine politische Partei, die die Staatsmacht ausübt. Die Privatisierung öffentlicher Vermögenswerte vollzog sich jahrhundertelang in den Rohstoffkolonien, aus denen die USA einen Großteil ihres Reichtums schöpften. Heute leiden die Vereinigten Staaten unter ihrem eigenen infrastrukturellen und wirtschaftlichen Niedergang, da dieselbe Logik der Privatisierung seit Jahrzehnten von beiden großen politischen Parteien im eigenen Land angewendet wird. Der TSA-Beamte in Miami fragte, ob die Nicaraguaner arm seien. Viele sind es. Aber sie haben etwas, was die meisten Amerikaner nicht haben: einen Staat, der Gesundheitsversorgung, Bildung und sauberes Wasser als öffentliche Güter betrachtet – und nicht als Handelsware.

Das Beispiel Nicaraguas legt nahe, dass politischer Wille – manifestiert durch organisierte Staatsmacht – Jahrzehnte der Vernachlässigung umkehren kann. Eine dringende Frage für die progressive Politik in den Vereinigten Staaten ist, ob wir den Mut haben, eine neue politische Formation und ein neues politisches Bewusstsein außerhalb des Zweiparteien-Duopols zu etablieren, das sich der Bereitstellung der Dienstleistungen und der Infrastruktur verschreibt, die die Menschen in den USA benötigen.


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