Pedro hat mit der Kaffeeernte hat begonnen
Bericht vom 16.12.2013 aus den Kaffeebergen hinter Jinotega - im Norden Nicaraguas
Liebe Freunde,
gerade komme ich aus den Bergen oberhalb Jinotegas, wo viele der Kooperativen des Genossenschaftsverbandes SOPPEXCCA ihre Anbaugebiete haben.
Auch Pedro Gonzales hat inzwischen mit seiner Kaffeeernte begonnen. Dieses Jahr wird sie unter erschwerten Bedingungen erfolgen müssen. Es regnet stark und viel, die Böden sind aufgeweicht und viele der Kaffeepflanzen sind durch Erkrankungen stark geschädigt. Schon im letzten Jahr kam es durch die sogenannte Roya zu großen Ernteausfällen und die betroffenen Pflanzen müssen nach und nach durch neue resistentere Sorten ersetzt werden.
Damit hat Pedro und seine Söhne William und Pedro Pablo schon im letzten Jahr begonnen. Bis die neuen widerstandsfähigeren Pflanzen jedoch die erste Ernte liefern werden noch zwei bis drei weitere schwere Jahre vergehen. Ich treffe mich mit Pedro am arbeitsfreien Sonntag und wir besuchen seine neue Pflanzungen. Stolz und hoffnungsfroh, dass all der Aufwand sich auch auszahlt, erklärt er wie die Genossenschaft die neuen Züchtungen bereitgestellt hat und auch die Schulungen für die Mitglieder organisiert hat.
Allein die Verluste sind für die Produzenten erheblich: So konnte er schon im letzten Jahr statt der üblichen 40 quintales (rund 2000 kg) nur 27 quintales ernten. Zusammen mit dem Rückgang der Kaffeepreise bedeutet dies für Pedro einen Einnahmeverlust von nahezu 50%. Seine Pläne für den Neubau eines größeren Hauses, bislang wohnen die sechs Personen in den zwei Räumen seiner Hütte, musste er zurückstellen! Noch 2011 hatte er beim letzten Besuch optimistisch über den Neubau berichtet!
Ohne Soppexxca und die kooperativen Strukturen wären die Kleinproduzenten allerdings ganz schlecht dran. Inzwischen haben wieder viele Kaffeeproduzenten Land verkauft, weil sie sich den Neustart nicht mehr zutrauen oder aber das Geld dringend zum Lebensunterhalt brauchen. Nicht so Pedro: die vor einigen Jahren eingeweihte Nassverarbeitungsanlage ist in Betrieb und muss abbezahlt werden, alle vier Kinder besuchen die Schule, Pedro Pablo zudem die Weiterbildung zum Experten beim „Umbau“ der Pflanzungen auf die neuen Sorten! „Du wirst schon sehen“, sagt er, wir überstehen auch diese Durststrecke wieder und gehen gestärkt aus ihr hervor!
Durchnässt bis auf die Haut mit Wanderstiefeln, die sich als völlig untauglich erwiesen haben, treten wir den Rückweg an. Diese Nacht bleibe ich nicht allein in der Hütte! Frierend, mit allen verfügbaren Klamotten habe ich einen Gast, den ich erst am nächsten Morgen am Kratzen unter der Liege entdecke: Lassi hat sich beim starken Regen unter dem „Bett“ versteckt und ich wunderte mich doch schon die ganze Zeit, dass es so merkwürdig riecht.....
Liebe Grüße aus den Bergen und nicht vergessen:
„Hoch die Tassen und wer noch ein Weihnachtspräsent braucht: Der Flor de Cafè ist auch dieses Jahr wieder ein besonderer Genuss und all die anderen Sorten sind auch nicht zu verachten! Pedro wird es Euch danken!!!
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16.12.2013 Pedro hat mit der Kaffeeernte hat begonnen
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