Der Mensch ist, was er isst?!
Bericht vom 11.12.2013 aus Chinandega im Nordwesten Nicaraguas
Liebe Freunde,
vielen Dank für Eure Rückmeldungen. Ich weiß natürlich, dass viele Meldungen aus Nicaragua, vor allem in so gedrängter Form, schwer verdauliche Kost transportieren. Mir fällt das hier nicht mehr so auf, weil ich mittendrin in den Gerüchen und Farben, dem Regen und der Sonne, den vielen Menschen und manchmal einsamen Stunden eh zu viel auf mich eindringt. Da verliert man manchmal unser mitteleuropäisches Feeling.
Heute, so berichtet mir Javier, ein Freund und Mithelfer auch Chinandega, sei der Tag der Erde und Menschen, die sie bearbeiten! Er und seine Mitarbeiter der Organisation Chinantlan würden heute im Park „Slow food“-Happen und Getränke aus der eigenen Herstellung anbieten. Slow food in Nicaragua ein befremdlicher Gedanke? Durchaus nicht! Natürlich gibt es immer vor allem in ländlichen Regionen noch Hunger, doch vor allem fallen die vielen übergewichtigen Menschen, auch Kinder im Straßenbild auf.
Die Ernährungsgewohnheiten der meisten Menschen in Nicaragua sind geprägt von kohlehydrathaltigen Nahrungsmitteln wie Reis und Bohnen, ergänzt durch Crema und Käse, Gebratenem oder Fritiertem vor allem Hühnchen, inzwischen aber auch mehr Schweine- und Rindfleisch. Zur Freude der Menschen sind die Fleischpreise vor Weihnachten stark gefallen.
Der Fleischpreis ist eingebrochen, weil Venezuela seine Importe stark zurückgefahren hat! Dazu lieben die Nicaraguaner/innen immer mehr die zuckerhaltigen gaseosas. Coca Cola, am liebsten die XXL-Flasche darf auf keinem Essenstisch fehlen!
Da kommt nun Chinantlan und bietet seine Fruchtsäfte aus eigener Produktion an, dazu Gemüsecreme auf Tortilla und Salat, da kann man gespannt sein, wie die Menschen das aufnehmen.
Die Fruchtsaftproduktion in der eigenen Empresa ist tatsächlich ein kleines Vorzeigebeispiel: Die Mitglieder der Kooperative beliefern den Betrieb mit Papaya, Mango und Orangen aus organischem Anbau. Auf eigenen Flächen wird die flor de Majaica angebaut, aus denen Fruchtwein und Saft produziert wird. Sieben Mitarbeiterinnen sind für die Herstellung der Fruchtweine und Säfte zuständig, die anderen drei für die Vermarktung, die zum Teil in einem Verkaufsraum in der Stadt erfolgt.
Natürlich liegen die Preise der natürlichen Säfte über denen der Billig-Zuckergetränke, aber ganz langsam entsteht auch in Nicaragua eine wachsende Mittelschicht, die durchaus über ausreichende Mittel verfügt, sich gesund zu ernähren und Gemüse und Obst sind in Nicaragua wirklich günstig zu bekommen. Alleine die Bereitschaft sich mit Ernährungsgewohnheiten und deren Auswirkungen zu befassen ist noch immer sehr gering.
Aber da kommen die Ansätze von Chinantlan ja gerade recht und slow food, so absurd der Gedanke in einem Land das gerade versucht der Armut und dem Hunger zu entkommen, hat durchaus auch hier seine Berechtigung! Die Zivilisationskrankheit Diabetes ist stark auf dem Vormarsch und das nicht nur bei Menschen, die über genügend Mittel verfügen, gerade auch die ärmeren Schichten ernähren sich über alle Maßen ungesund!
Ich wünsche jedenfalls Maribel und Javier aus Chianantlan viel Erfolg bei ihrer Arbeit und Euch eine gesunde Adventszeit!
Herzliche Grüße
Heinz
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11.12.2013 Der Mensch ist, was er isst?!
Bericht aus Chinandega - Fruchtsaftproduktion, Ernährung, Gewohnheit, ...