Alejandro Centeno einer von 27 neuen Stipendiaten

Liebe Freunde,

Alejandro Centeno, 18 Jahre, ist einer von 27 Jugendlichen, die mit Beginn des neuen Schuljahres ein Stipendium zum Besuch der fünfjährigen Sekundaria erhalten. Um einen Eindruck von der Lebens- und Schulrealität der Stipendiaten zu bekommen, besuche ich ihn auf der Finca seiner Eltern und begleite ihn dann in die Schule. Doch davon später.

Mit einer jährlichen Summe von 6.000 Dollar fördert der Heidelberger Partnerschaftskaffee den Schulbesuch von Kindern von Kaffeebauern. Mit jedem Kilogramm des Heidelberger Partnerschaftskaffees fließt zusätzlich zum „FairTrade-Preis“ ein Euro in die Finanzierung von zusätzlichen Projekten. Soppexxca hat sich für ein Stipendiatenprogramm entschieden, um die Anzahl der Jugendlichen zu erhöhen, die eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren können. Dazu müssen sie die Sekundaria erfolgreich abschließen. Die Schulmaterialien, die Schulkleidung und die Transportkosten zur nächsten weiterführenden Schule können sich nicht alle Kaffeeproduzenten für ihre Kinder leisten.

Die Stipendiaten 2014

Die aktuelle Gruppe von 27 Stipendiaten, der 16 Basiskooperativen wurden im Februar ausgewählt. Jetzt im März haben sie sich mit ihren Eltern in der Halle, wo sonst der Kaffee angeliefert wird, versammelt und vorgestellt. Der Auswahlprozesses der Jugendlichen wurde demokratisch und transparent neu gestaltet und ein Erziehungskomitee wacht über das Auswahlverfahren und kontrolliert die Ausgaben an die einzelnen Jugendlichen. Eltern und Jugendliche müssen sich verpflichten an den Programmen der Kooperative zu beteiligen und auch den regelmäßigen und erfolgreichen Schulbesuch nachweisen.

Wir besuchen Alejandro und seine Familie in seiner comunidad Yankee I. Alejandro hat einen langen Arbeitstag vor sich:

Am Vormittag hilft er seinem Vater und den beiden Brüdern auf der Finca, sie sind gerade dabei die Wasserleitungen zu einem neuen Wassertank zu verlegen. Die Kaffeeernete ist ja inzwischen abgeschlossen, der letzte Kaffee wird derzeit in den Trockenverarbeitungsanlagen für den Export vorbereitet. Nach einer kleinen Erfrischung machen wir uns um 11.30 im Bus auf den Weg in die Schule. Der Bus ist hoffnungslos überfüllt. Es fällt schwer sich festzuhalten, der Staub der Straße legt sich über alles und die Übertragung eines Baseballspiels macht jede Unterhaltung unmöglich. Wir sind zum Glück nur eine knappe Stunde unterwegs.

Mit dem Bus zur Schule

Wo vormittags noch die Primarschüler über den Schulhof flitzten sind ab 12.30 die Jugendlichen der Sekundaria anzutreffen. Noch etwas schüchtern stellen sich zwei Mitschülerinnen vor und ich befrage einzelne Lehrer zum Regierungsprogramm der ländlichen Schwerpunktschulen. Damit sollen die langen Fahrtstrecken in auf dem Land verringert und die Anzahl der Schüler/innen erhöht werden! Wir kommen pünktlich in den Unterricht, Alejandro will den „Chele“, das Bleichgesicht nicht überall präsentieren, doch in seiner Klasse hat er damit sichtbar keine Probleme.

Überraschenderweise sitzen nur 15 Jugendliche im Physikunterricht der ersten Stunde zum Thema Beschleunigung. Schulbücher gibt es keine. Generell, so erklärt die Lehrerin, sind die Schulbücher in der sekundaria eine Seltenheit, die Prioritäten der Regierung würden der Primaria gelten und damit sei Tafelarbeit angesagt und ab und zu würden Kopien verteilt. Ob auch einmal ein Versuch praktiziert wird, traue ich mich schon gar nicht zu fragen. Die folgende Englischstunde hat zumindest ein reales Thema: Die Auswanderung vieler Familienmitglieder in die Staaten. Die Übersetzung des fiktiven Briefes eines Vetters, der in die USA einlädt, gelingt nur schwer, die Diskussion dagegen läuft sehr engagiert.

Alejandro und seine Lehrerin

Alejandro sieht seine Zukunft bislang in Nicaragua. Nach Abschluss der sekundaria möchte er gerne studieren. Überraschenderweise jedoch nicht Agrartechnik, sondern Psychologie. Sein Vater Felipe Centeno, 44 Jahre, hört sich das nach der Rückkehr aus der Schule um 18 Uhr mit einem Stirnrunzeln an. Er sieht Alejandros Zukunft auf der Finca. Mit sieben Manazanas gehört er auch nicht zu den ganz kleinen Produzenten. Mit harter Arbeit hat er mit seinen drei Söhnen, die Pflanzungen gut in Schuss gehalten und ist weniger von der Roja betroffen.

„Nächstes Jahr werden wir unser neues Haus beziehen, dann ist mehr Platz für uns alle und Alejandro kann seine Hausaufgaben in Ruhe machen. Dann werden wir in aller Ruhe besprechen, wie es weitergeht." Die Mutter bedankt sich ausdrücklich für die Möglichkeit, dass Alejandro als Stipendiat die sekundaria abschließen kann. Die beiden anderen Söhne hatten "nur" die Primaria besucht, in der auch die ältere der beiden Töchter eingeschult ist. Wie hatte es der Präsident von Soppexcca in seiner Rede vor den Eltern ausgedrückt? Bildung ist ein unbezahlbarer Samen, wir werden alles dafür tun, dass er in allen Familien gesät wird. Dem Heidelberger Partnerschaftskaffee und seinen Konsumenten danken wir für die Unterstützung unserer Bildungsarbeit!"

Herzlichst

Heinz

Die Familie von Alejandro