Brot und Spiele
Bericht vom 24.12.2013 aus Managua
Liebe Freunde,
Weihnachten in Managua ist schon ein besonderes Erlebnis, nicht nur wegen der Temperaturen und dem inzwischen wieder blauen Himmel und den Palmen.
Die Schlangen vor den Geschäften werden deutlich länger, nicht weil das Warenangebot knapp wäre, sondern weil das Geld an diesen Tagen deutlich lockerer sitzt, sofern man eine Arbeit hat. Der sogenannte „Aguinaldo“,ein dreizehntes Monatsgehalt wird allen festen Arbeitern und Angestellten ausbezahlt und das muss an Weihnachten zumindest teilweise umgesetzt werden.
Sowohl die populären Märkte unter freiem Himmel für die „einfachen Menschen“, als auch die Kaufhäuser, die in den letzten Jahren entstanden sind, quellen über von Waren und Menschen.
Ein besonderes Erlebnis ist die avenida Bolivar südlich der neu benannten Rotonda (Kreisel) Hugo Chavez. Dutzende großer Altare, die schon zur Purisima (Marienverehrung) aufgebaut wurden, werden auf staatliche Initiative von den großen Firmen des Landes mehr oder weniger geschmackvoll mit Figuren und Krippen bestückt und dann abends mit vielen Lichtern und lauter Musik in einen Wettbewerb um die eindrucksvollste Ausstattung beordert.
Am Ende der Avenida dann der Höhepunkt: Auf dem Platz „Juan Pablo segundo“, ehemals Platz der Revolution, findet zum dritten Mal mehrere Wochen der große Weihnachtsrummel mit von der Regierung angemieteten Fahrgeschäften aus Mexiko statt. Das besondere: Alles, bis auf die Leckereien ist gratis! Schon wenn der Markt um 14 Uhr geöffnet wird stehen Schlangen von Menschen an den Einlasstoren, kommen dann die offenen Busse, die Kinder und Jugendliche ebenfalls kostenlos aus den Barrios zum Festplatz bringen, füllt sich der Platz mit tausenden von Menschen. Sobald die Dämmerung einsetzt erstrahlen die „arboles de la vida“, metallenen Baumkonstruktionen mit tausenden von Lämpchen, und verleihen dem Platz zusammen mit der ebenfalls illuminierten Sandino Abbild einen nahezu unwirklichen Glanz.

Ausgelassenheit, laute Musik, die langen Schlangen, die diszipliniert und staunend vor den zum Teil modernen Fahrgeschäften warten, prägen das Geschehen. Alles gut organisiert von Hunderten von jungen Mitgliedern der sandinistischen Jugend, die für ihren Einsatz pro Tag 50 Cordoba (2 Dollar) erhalten und gut bewacht von der policia nacional, die in diesen Tagen außerordentlich präsent ist.
Für viele Menschen, vor allem die Kinder und Jugendlichen ein unvergessliches Erlebnis, das sie aus dem manchmal doch monotonen Tagen reißt, zumal die Schuferien begonnen haben und ja die Knallereien der Festtage noch dazukommen. Natürlich wird im Stadtrat von Managua diskutiert, wie die enormen zusätzlichen Stromkosten für das Lichtermeer finanziert werden, aber so richtig interessiert das dann ja doch niemanden. Wer will denn da dann den Mesepeter spielen, auch wenn natürlich gefragt werden darf, „was bleibt vom Lichterglanz in den Augen, wenn der Rummel vorbei ist und die drängenden Fragen sich wieder in den Vordergrund schieben“.
Von diesen Fragen dann mehr im neuen Jahr!
Herzliche Grüße am „Heiligen Abend“ 2013