Das neue Schuljahr steht vor der Tür, zumindest hier in Nicaragua!

Liebe Freunde,

Nach den großen Ferien, die hier Ende November beginnen und bis Anfang Februar dauern, setzte in den letzten Tagen der große Ansturm zum Kauf der Schulmaterialen ein. 1,6 Millionen Schülerinnen und Schüler kehren zurück in die Schule, oder schreiben sich zum ersten mal für den Schulbesuch ein.

Die jährliche Einschreibung ist für alle Schüler notwendig, um den Überblick zu behalten, welcher Schüler zukünftig an welcher Schule und in welcher Klassenstufe am Unterricht teilnehmen wird. Der Wechsel des Wohnortes, der Abbruch oder Unterbrechungen des Schulbesuchs sind häufig, außerdem erreichen nicht alle Schüler die vorgeschriebenen Punkte (60 von 100) um in die nächsthöhere Klassenstufe zu wechseln. Auch in den Ferien gibt es jedoch die Möglichkeit die fehlenden Punkte durch Nachhilfe und Nachprüfungen zu erreichen.


Die Ausgaben für Schulmaterialien belaufen sich nach Angaben des Erziehungsministeriums auf 1200 Cordoba, etwa 50 Dollar pro Kind und stellen vor allem arme, kinderreiche Familien vor ein großes Problem. Die nicht zwingend vorgeschriebene Schuluniform ist dabei eingerechnet. Das Ministerium stellt deshalb 400.000 Schulpakete (Schulrucksäcke, Hefte, Bunt- und Bleistifte etc.) und 350.000 Paar Schuhe zur Verfügung (Prensa 19.01.2014).

Viele Familien sehnen das Ende der Ferien förmlich herbei, damit endlich ein geregelter Tagesablauf einkehrt und die Zeit vor dem Fernseher und das Gezerre in den engen Häusern endlich ein Ende hat. Die wirklichen Probleme freilich liegen woanders.

So beklagen die Presse und auch unabhängige Organisationen, die geringe Zahl der erfolgreichen Aufnahmeprüfungen, der Schulabgänger (erfolgreiche Bachilleratos nach der 5.Klasse der Secundaria), die an die Universität wechseln. Die Zahlen liegen zum Teil bei lediglich 20 Prozent und die Universitäten verlangen Wiederholungskurse und Nachprüfungen. So boomt denn auch hier der private Bildungs- und Nachhilfemarkt. Schulgebühren von 50-100 Dollar pro Monat für eine Privatschule (500-1000 Dollar/Jahr, die Deutsche Schule Managua verlangt 200 Dollar/Monat) sind die Regel und trennen natürlich vermögenden Familien und Angestellte ausländischer Organisationen und Firmen von den ärmeren Bevölkerungsschichten.

Aber auch die 10-20 Dollar für eine günstige, private Primaria (Grundschule bis Klasse 6) können sich nur Familien aus der leicht wachsenden Mittelschicht mit Geldzuflüssen aus dem Ausland (Familienmitglieder in den USA, Costa Rica oder Europa) leisten.

Die große Frage bleibt: Wie kann das staatliche Schulsystem nicht nur die quantitativen Anforderungen und schon die sind enorm (28 % der Bevölkerung besuchen die Schule), sondern auch die qualitativen Anforderungen erfüllen. Der Staat legt regelmäßig Programme zur Senkung der Abbrecherquote und zum Erreichen des Grundschulabschlusses auf. Ebenso werden die Lehrkräfte zu regelmäßigen Fortbildungen verpflichtet, doch viele beklagen die unzureichenden Ausstattungen der Schulen, die geringe Motivation der Lehrkräfte und vor allem das geringe Ausbildungsniveau der Lehrkräfte als die wirklich entscheidenden Faktoren für das schlechte Unterrichtsniveau an nicaraguanischen Schulen.


Die oft ideologisch geführten Auseinandersetzungen in der rechtsgestrickten Presse ignorieren freilich den großen Fortschritt, den der Verzicht auf das Schulgeld für die armen Bevölkerungsschichten darstellt. So mussten während der 16 jährigen „neoliberalen“ Regierungsphase zahlreiche direkte und versteckte Gebühren für den Schulbesuch entrichtet werden, was zu einem kontinuierlichem Rückgang der Schülerzahlen führte. Ein Problem scheint allerdings regierungsunabhängig zu sein. Die Einstellung in einer der großen Firmen und in die öffentliche Verwaltung scheint noch immer mehr von der familiären Herkunft und dem Parteibuch abzuhängen, als von tatsächlich hart erarbeiteten Qualifikationen.

Mehr zum Niveau des Unterrichts und anderen Bildungsfragen dann in meiner Zeit in Somoto, wenn ich bei Los Pipitos arbeiten werde. Herzliche Grüße nach Heidelberg auch von Jose Antonio dem ANDEN - Vorsitzenden (Lehrergewerkschaft), mit dem ich mich heute getroffen habe.

Herzliche Grüße aus Managua Heinz