Maria Elias Rezept zum „Glücklichsein“

Liebe Freunde,

Wir sind zu Besuch beim Kooperativenverband UCPCO in San Juan de Rio Coco, das sich in den letzten Jahren vom Vorzeigebeispiel für erfolgreiches Wirtschaften zu einem Sorgenkind der MITKA entwickelt hat. Der ehemalige Geschäftsführer Heribert Rivas war auch schon zu Besuch in Heidelberg.

Maria Castillo lehnt an der Wand der Finca 'Nueva Horizonte' die zur Kooperative Osman Martinez gehört. Gleich neben dem Plakat von Hugo Chavez hat sie ihr Rezept zum Glücklichsein gestaltet:

Man nehme
2 Tassen Lächeln
12 unzen Zärtlichkeit
5 libras Geduld
8 Tassen Liebe und Zuneigung
1 Brise Verrücktheit
5 Lotes Herzlichkeit
2 libras Hoffnung
15 Päckchen Freude
1 libra Erinnerung an die Kindheit

Natürlich müssen alle Zutaten von 'bester' Qualität sein und sorgsam gemischt werden. Vor allem bedarf es der Beigabe von genügend Kommunikation und muss das Rezept sorgsam aufbewahrt werden, damit es nicht verloren geht.

Anleitung zum Glücklichsein

Aber ganz so einfach, so gesteht Maria Elia, hat sich die Sache mit der Suche nach dem Glück aber doch nicht gestalten lassen! Vor mehr als einem Jahr begann der große Befall der Kaffeepflanzen mit dem Kaffeerost. Die Pflanzen verloren ihre Blätter, die Kaffeekirschen reiften nicht mehr und mussten auch noch abgelesen werden um nicht Schädlinge wie den Broca-Käfer anzuziehen. Die Ernten gingen dramatisch zurück, sie konnten durch starke Regenfälle auch nicht im eigenen Beneficio zur Trockenverarbeitung getrocknet werden. Das führte zusammen mit wirtschaftlichen Fehlentscheidungen der Kooperativenleitung der UCPCO, zu Schulden und einer existenziellen Krise für alle Mitglieder.

Zum Glück, so berichtet sie, konnten wir an einem Projekt zum Gemüseanbau in Produzentengärten (vom Heidelberger Partnerschaftskaffee mit 6000 Dollar mitfinanziert) teilnehmen, sodass wir unsere Lebensmittelversorgung sichern konnten. In ihrem Garten hat sie Paprika, Tomaten und Zwiebeln, aber auch Kräuter, Ananas und Mandarinenbäumchen gepflanzt. Die Agrartechniker haben uns das Saatgut gebracht, bei der Planung der Gärten geholfen, die sinnvolle Kombination der Pflanzen erklärt und uns bei der Pflege der Pflanzen angeleitet.

Neu gepflanzt für eine bessere Ernährung

Die Bewässerung kostet mich jetzt in der Trockenzeit jeden Tag zwei Stunden Arbeit. Vor dem Beginn der Regenzeit säen wir dann noch die Bohnen, ohne die es ja keine vollständige Mahlzeit gibt! Alles, was wir nicht selbst brauchen, verkaufen wir auf dem lokalen Markt in San Juan del Rio Coco, um ein kleines Einkommen zu erzielen.

So können wir durch eure Unterstützung die Durststrecke überbrücken, ohne wieder Hunger zu leiden. Ich frage sie, wie das mit der Angst vor dem Hunger und dem Glücklichsein zusammenpasst. Augenzwinkernd antwortet sie „Na ja, dann muss ich vielleicht doch noch ein paar Zutaten in mein Rezept aufnehmen, zum Beispiel harte Arbeit, verlässliche Freunde und auch ein gesundes Selbstbewusstsein, damit unsere eigenen Leute nicht machen können, was sie wollen!

Dem können wir nur beipflichten! Am Morgen hatten wir mit den Mitgliedern der Kooperative 'Reinero Tijerino' ein Treffen zu den den Themen „Warum sind wir Mitglieder einer Kooperative?“ und „Was erwarten wir vom Fairen Handel?“ durchgeführt, um zu überprüfen, ob wir noch eine gemeinsame Basis haben und die gleiche Sprache sprechen. Wichtigstes Ergebnis war: „Wir als einfache Mitglieder(Bauern der Kooperative) müssen unsere Kontrolle de Leitung ernster nehmen, dürfen vor unangenehmen Fragen nicht zurückschrecken und müssen uns versichern, dass nichts ohne unsere Kenntnis und Einverständnis geschieht“.

Ein Workshop der Kooperativenmitglieder

Wir schlagen vor „ein gesundes Selbstbewusstsein der 'kleinen' Bauern und permanente Kontrolle der Kooperativenleitung“ müssen ins Rezept aufgenommen werden. Ohne diese Zutaten, wird es keine 'glückliche' Kooperative UCPCO geben. Wir warten jedenfalls auf einen neuen Finanzierungsantrag und werden diesen kritisch prüfen.

Herzlichst

Heinz