05.01.2014 - Rückblick: Wirtschaft in Nicaragua 2013

Liebe Freunde,

Euch allen ein gutes, neues Jahr 2014! Ich hoffe Ihr habt das alte Jahr gut beendet und schön gefeiert. Mit einer Paella de marisco y cerveza, mucho baile y poco cohetes haben wir in Chinandega Silvester gefeiert. Während sich viele Menschen am ersten Tag des Jahres mit extrem beladenen Camionetas auf den Weg an die Strände gemacht haben, war ich mit der Familie von Javier und Maribel auf der Finca ihres Vaters. Er ist Ganadero (Viehzüchter) und die ganze Familie trifft sich auf dem kleinen Landsitz, um zu essen und zu trinken. Für die Kinder gab es einen payaso (Clown) namens „Frijolito“ (das Böhnchen), der die Kleinen bestens unterhalten hat.


Aber natürlich ging es bei den Erwachsenen auch um das zurückliegende Jahr und den wirtschaftlichen Ausblick. Deshalb heute zur Abwechslung ein paar ökonomische Daten, die verdeutlichen, dass die positiven makroökonomischen Wirtschaftsdaten der letzten Jahre immer stark von den Erntemengen der landwirtschaftlichen Produkte und deren Weltmarktpreise abhängen. Nach kontinuierlich gestiegenen Exportmengen und Deviseneinnahmen durch Rindfleisch und Kaffee, sowie Zucker und Meeresfrüchte musste Nicaragua 2013 zum ersten mal seit langem einen Rückgang der Exporterlöse verzeichnen.

Diese gingen von 2,74 Mrd. US-Dollar auf 2,56 Mrd. um 6,6 % zurück, wobei die Erlöse aus den Weltmarktfabriken nicht vorliegen und daher nicht berücksichtigt sind.

Der Kaffee hat seinen ersten Rang durch die großen Ernteausfälle und den niedrigen Weltmarktpreis verloren. Um 33% gingen die Einnahmen zurück und liegen noch bei 350 Mio. Dollar. Auch die Erlöse aus dem Rindfleischexport (382 Mio.) und dem dem Zuckerrohrexport ( 172Mio.) sind gefallen, wenn auch nicht so stark. Einzig der Export von Meeresfrüchten (Camarones und Langusten 190 Mio.) ist stark gestiegen.

Nahezu stabil geblieben sind die Erlöse aus dem Goldexport, die mit 424 Mio. US-Dollar zu Buche schlagen. Damit steht die Goldproduktion, mit all den Problemen für die Umwelt, an erster Stelle der Einnahmen durch Export.

Betrachtet man die Rangfolge der Länder in welche exportiert wird, so stehen die USA, Venezuela und Kanada an erster Stelle, wobei die Exporte in die USA (-25%) stark eingebrochen sind. Dann folgen die zentralamerikanischen Länder, während die EU-Länder gar nicht in der Rangliste auftauchen.

Der Anteil der Ausgaben für Lebensmittel (Reis und Bohnen, Fleisch, Mais- und Getreideprodukte, Milchprodukte, Öl und Zucker) im sogenannten Grundwarenkorb (440 Dollar/Familie) beträgt in Nicaragua 64 %.


Dass die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel im vergangenen Jahr um 6 % gefallen sind, müsste den Familien eigentlich etwas Luft verschafft haben, vorausgesetzt natürlich, dass sich diese Preise auch in Nicaragua so niederschlagen. Die Erntemengen an Reis und Bohnen, sowie an Mais waren jedenfalls hervorragend. Dennoch braucht eine Familie in Nicaragua in der Regel zwei Vollverdiener um diesen Warenkorb abdecken zu können. Das gilt beispielsweise auch für Grundschullehrer/innen.

Ein sozialversicherungspflichtiger Angestellter, und das sind in der Regel die besser bezahlten Beschäftigten, kann im Durchschnitt nur 70% diese Warenkorbes mit seinem Gehalt bezahlen. Die 150.000 Beschäftigten in den sogenannten Weltmarktfabriken können davon nur träumen, wenngleich sie in den nächsten Jahren durch festgelegte Steigerungsraten deutliche Einkommenszuwächse haben und 2014 auf 160 Dollar pro Monat kommen.

Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht, woher diese ganzen Zahlen kommen? Im Gegensatz zu den politischen Berichterstattungen der „rechten“ nicaraguanischen Presse (La Prensa und Nuevo Diario) sind die wirtschaftlichen Daten doch im wesentlichen ideologiefrei! Es lohnt sich also nicht nur mit offenen Augen durch das Land zu fahren, sondern auch die Wirtschaftsseiten zu lesen [oder die Aktuellen Meldungen des Nicaragua-Forums, die dies schon berichtet hatten]. Erschreckend, wie wenige Nicaraguaner/innen diese Zahlen dann letztlich zur Kenntnis nehmen. Aber das ist dann wieder eine neue Geschichte!

Es grüßt Euch ganz herzlich

Heinz